Breast Cancer Awareness Month: Aufmerksamkeit, Früherkennung und neue Chancen durch Immuntherapie

Mit einer rosa Schleife zeigen Menschen und Stiftungen jeden Oktober ihre Unterstützung zum Breast Cancer Awareness Month. Das Symbol soll auf Brustkrebs aufmerksam machen, über Früherkennung informieren und Betroffene unterstützen. Weltweit wurden 2022 rund 2,3 Millionen neue Brustkrebsfälle und etwa 670.000 Todesfälle registriert. Brustkrebs ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Gleichzeitig haben sich Diagnostik und Therapie stark weiterentwickelt. Brustkrebs ist keine einheitliche Erkrankung: Tumoren unterscheiden sich unter anderem darin, ob sie Hormonrezeptoren oder das Protein HER2 tragen. Diese biologischen Eigenschaften bestimmen wesentlich, welche Behandlung sinnvoll ist.

Früherkennung und individuelle Therapie

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind meist die Behandlungsmöglichkeiten. Auffällige Veränderungen wie ein neuer Knoten, eine eingezogene Brustwarze, Veränderungen der Haut oder ungewöhnliche Absonderungen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.

Nach einer Diagnose wird das Tumorgewebe genauer untersucht. Neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie stehen je nach Tumortyp Antihormontherapien, HER2-gerichtete Medikamente, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und bei ausgewählten Patientinnen auch Immuntherapien zur Verfügung.

Etablierte Immuntherapie: Checkpoint-Inhibitoren

Die am besten wissenschaftlich belegte Immuntherapie bei Brustkrebs sind derzeit sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Sie lösen bestimmte „Bremsen“ des Immunsystems, sodass Immunzellen Tumorzellen besser angreifen können.

Besonders relevant ist dies beim triple-negativen Brustkrebs (TNBC). Dieser Tumortyp besitzt weder Hormonrezeptoren noch eine HER2-Überexpression.

Der Wirkstoff Pembrolizumab ist in der EU für Patientinnen mit frühem oder lokal fortgeschrittenem TNBC und hohem Rückfallrisiko zugelassen. Er wird vor der Operation zusammen mit Chemotherapie und anschließend für eine begrenzte Zeit allein weitergegeben. Für diese Anwendung ist kein positiver PD-L1-Test vorgeschrieben. Bei nicht operierbarem lokal wiedergekehrtem oder metastasiertem TNBC ist Pembrolizumab ebenfalls zusammen mit Chemotherapie zugelassen, wenn der Tumor ausreichend PD-L1 exprimiert – konkret bei einem Combined Positive Score von mindestens 10.

Checkpoint-Inhibitoren können allerdings immunbedingte Nebenwirkungen verursachen, etwa Entzündungen von Schilddrüse, Lunge, Darm, Leber oder anderen Organen. Deshalb müssen Nutzen und Risiken individuell abgewogen werden.

Dendritische Zelltherapie

Neben den etablierten Checkpoint-Inhibitoren werden weitere immunologische Verfahren entwickelt. Dazu gehört die dendritische Zelltherapie.

Dendritische Zellen gehören zu den wichtigsten antigenpräsentierenden Zellen des Immunsystems. Vereinfacht gesagt zeigen sie T-Zellen charakteristische Bestandteile eines Tumors und können dadurch eine gezielte Immunantwort anstoßen. Bei neuartigen Krebsimpfstoffen werden dendritische Zellen beispielsweise mit Tumorantigenen in Kontakt gebracht und anschließend zur Aktivierung des Immunsystems eingesetzt.

Auch bei Brustkrebs gibt es klinische Untersuchungen mit solchen Impfstoffen, unter anderem bei TNBC. Fachübersichten beschreiben eine Reihe laufender beziehungsweise abgeschlossener früher klinischer Studien.

Die entscheidende Einschränkung: Dendritische Zelltherapie ist derzeit keine etablierte Standardbehandlung des Brustkrebses. Dazu bräuchte es randomisierte Phase-III-Studien, die als zuverlässigste Form des Nachweises gelten. Der Einsatz ist in dem Sinne nur im Rahmen einer klinischen Studie oder eines individuellen Heilversuchs zulässig.

Onkolytische Virotherapie

Auch die Virotherapie ist ein interessantes Forschungsgebiet. Hierbei werden sogenannte onkolytische Viren verwendet. Sie sollen bevorzugt Tumorzellen infizieren und zerstören. Gleichzeitig können dabei Tumorbestandteile freigesetzt werden, die das Immunsystem aktivieren.

Ein wichtiges Forschungsziel besteht darin, einen immunologisch eher „kalten“ Tumor in einen „heißen“, für Immunzellen besser erkennbaren Tumor umzuwandeln. Deshalb werden onkolytische Viren häufig in Kombination mit Checkpoint-Inhibitoren untersucht. Das biologische Konzept ist gut begründet und wurde auch in klinischen Studien bei verschiedenen Krebsarten geprüft.

Für Brustkrebs gehört Onkolytische Virotherapie derzeit nicht zur regulären Standardtherapie von Brustkrebs.

Was bedeutet „ICD-Therapie“?

Der Ausdruck ICD steht für immunogenic cell death, also immunogenen Zelltod. Streng genommen handelt es sich dabei nicht um eine einzelne definierte Therapie, sondern um einen biologischen Mechanismus.

Bestimmte Arten des Tumorzelltods setzen Signale und Tumorantigene frei, die Immunzellen aktivieren können. Dadurch wird die Zerstörung der Krebszelle gleichzeitig zu einer Art Warnsignal für das Immunsystem. Verschiedene Behandlungen können solche Prozesse auslösen – darunter bestimmte Chemotherapien, Bestrahlung sowie experimentelle Medikamente oder lokale Verfahren.

Die gezielte Verstärkung des immunogenen Zelltods wird intensiv erforscht, auch beim Brustkrebs. Dabei besteht die Hoffnung, Tumoren für anschließende Immuntherapien empfänglicher zu machen. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten sehen hierin großes Potenzial, betonen aber ebenfalls, dass viele gezielte ICD-Strategien noch in frühen klinischen Entwicklungsphasen sind.

Forschung mit großem Potenzial – aber unterschiedlichen Evidenzstufen

Immuntherapie ist deshalb nicht gleich Immuntherapie. Pembrolizumab bei ausgewählten Patientinnen mit TNBC ist eine wissenschaftlich gut belegte und zugelassene Therapie. Dendritische Zellvakzinen und onkolytische Viren werden klinisch erforscht, sind bei Brustkrebs aber noch nicht etabliert. Der immunogene Zelltod wiederum ist vor allem ein wichtiger Mechanismus, den neue Therapien gezielt nutzen sollen.

Genau diese Unterscheidung ist wichtig: Fortschritt in der Krebsmedizin entsteht nicht nur durch neue Ideen, sondern auch durch die Möglichkeit, diese in die Praxis umzusetzen.

Quellen – Auswahl:

International Agency for Research on Cancer (IARC) / WHO, Global Cancer Observatory – GLOBOCAN 2022: Breast cancer fact sheet; European Medicines Agency (EMA),
Keytruda – Pembrolizumab, European Public Assessment Report. Schmid P, Cortes J, Dent R, et al.; KEYNOTE-522 Investigators, Event-free Survival with Pembrolizumab in Early Triple-Negative Breast Cancer, New England Journal of Medicine. 2022;386(6):556–567; Galluzzi L, Guilbaud E, Schmidt D, Kroemer G, Marincola FM, Targeting immunogenic cell stress and death for cancer therapy, Nature Reviews Drug Discovery. 2024;23(6):445–460; Bahreyni A, Mohamud Y, Luo H. Oncolytic virus-based combination therapy in breast cancer. Cancer Letters, 2024 Mar 31; National Cancer Institute (NCI), HER2 and HER3-Directed Dendritic Cell Vaccine for the Treatment of Early Stage Triple Negative or Hormone Receptor Low Breast Cancer – DecipHER Trial. ClinicalTrials.gov: NCT05504707.

Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.