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Thomas von Aquin (1225-74) |
Immunologische Toleranz gegenüber Tumorzellen Das Immunsystem ist der Wächter über unsere Gesundheit. Seine Hauptfunktion besteht darin, zwischen ›eigen‹ und ›fremd‹, zwischen ›harmlos‹ und ›gefährlich‹ zu unterscheiden, d.h. die Integrität der Körpergewebe zu sichern (Gewebshomöostase). Unbekannte Substanzen, Krankheitserreger und geschädigte Zellen können so eliminiert werden. In den Körpergeweben kommt es ständig zu Zellmutationen, die das Immunsystem normalerweise als entartete und gefährliche Zellen erkennt und vernichtet. Erst eine Vielzahl von Mutationen kann einen Tumor entstehen lassen. Tritt dieser Fall ein, findet in der Regel eine immunologische Auseinandersetzung mit dem Tumor statt. Das Immunsystem versucht, ihn zu bekämpfen. Es ist deshalb überraschend, dass Krebserkrankungen trotzdem so häufig vorkommen. Offensichtlich können die Kontrollmechanismen des Immunsystems versagen, so dass es nicht mehr seine Wächterfunktion ausüben kann. Wenn Tumorzellen erst einmal eine Weile im Körper überlebt haben und sich ein Tumor entwickelt hat, beeinflusst er das Immunsystem. Durch verschiedene biologische ›Tarnmechanismen‹ hemmt er die Immunzellen in ihrer Aggressivität und kann sich für sie ›unsichtbar‹ machen. Die Abwehrzellen gewöhnen sich an den Tumor und tolerieren ihn als ungefährlich, obwohl er dem Organismus schadet. Dieses immunologische Phänomen bezeichnet man als Toleranzentwicklung. Diese kann man nur mit einer spezifischen Immuntherapie durchbrechen. Soll aber das eigene Immunsystem die Initiative ergreifen, benötigt es zur Überwindung der Toleranz entsprechende Informationen über die Krebszellen. Hierfür können wir mittlerweile das Wissen um die biologischen Grundlagen der Immunologie nutzen.
Die heute übliche Behandlung von Krebs konzentriert sich auf die Zerstörung der Krebszellen durch Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie. Diese Behandlungsmethoden haben den Nachteil, kranke und gesunde Zellen nicht unterscheiden zu können. Das bedeutet, dass durch die Behandlung immer auch gesundes Gewebe zerstört wird. Dies hat entsprechende Nebenwirkungen zur Folge. Das Grundproblem ist, dass der Patient bei den konventionellen Behandlungsverfahren passiv bleibt und lediglich etwas mit ihm ›gemacht‹ wird. Mit der immunologischen Krebstherapie ist ein Paradigmenwechsel eingetreten: Eine Krebserkrankung wird als Erkrankung des gesamten Organismus verstanden, nicht als lokales Phänomen. Die spezifische immunologische Krebstherapie soll das Immunsystem in die Lage versetzen, selbst aktiv zu werden und die Krankheit aus eigener Kraft zu bekämpfen. Dabei muss nicht auch noch die letzte Krebszelle zerstört werden, vielmehr geht man heute davon aus, dass eine Balance zwischen dem Tumor und dem Immunsystem für das Gesamtüberleben bei zugleich höherer Lebensqualität wichtiger ist. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von progressionsfreiem oder metastasenfreiem Überleben (recurrence free interval, stable disease tumor sowie tumor dormancy). |
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